Ofenfeuer

Wintermärchen

… einer der besonderen Momente – eine Woche auf einer abgeschiedenen Berghütte, beim arbeiten. Geplant waren Herbstaufnahmen, als der frühe Wintereinbruch für einen Meter Neuschnee sorgte. Als ich ankam, war zur Hütte kein durchkommen, Proviant, Gepäck und Katzen, mussten zu Fuß zur Hütte geschleppt werden. Eine Woche alleine in den Bergen, zwei Katzen, ich und die Natur. Weiter unten im Tal noch ein Bauernhof. Ein gigantisches Panorama in der Stille, die nur der Schnee mit sich bringt. Strahlend blauer Himmel und Pulverschnee.

Eine Hütte mit Küche, Schlafkojen und altem Holzofen zum kochen und heizen. Davor der obligatorische Brunnen, an dem das Wasser entlang tropfte und zu Eiszapfen gefror. Ein Plumpsklo mit Herz und Spuren im Schnee. Alles meins!

Meine Aufgaben: mich um meine Feuerstelle kümmern, Schnee schippen und einlassen auf was kommt. Meine beiden Katzen, städtische Stubentiger, waren sehr zufrieden mit dieser Wahl. Eigener Garten, Brennholz hinter der Hütte, Mäuse zum bespielen und fressen, was könnten sich Katzen mehr wünschen? Nichts, außer jemandem, der die Mäuse nicht kurz vorm fressen klaut und wieder freisetzen will…

feuerstelle

Ich richtete mich in der Hütte ein, schippte Schnee, schleppte Feuerholz und schürte ein, holte Eiswasser für Kaffee, fegte die Terrasse, packte den Liegestuhl aus, es konnte losgehen. Naturkühlschrank unterm Dach, die anderen Lebensmittel zum in der Hütte verstauen. Mich ums Feuer zu kümmern, erinnerte mich an meine Großmutter, an Essen, das mit diesen Öfen ganz anders schmeckt.

Mein erster Tag, ein einziges, ich glaub es nicht – so schön. Dem Sonnenuntergang sah ich, eingehüllt in Wolldecken, von meiner Terrasse zu, den Blick in die Ferne gerichtet, das Tal zu meinen Füßen. Ich war allein hier oben. Ein seltsames Gefühl, und so gut aufgehoben. Berge haben etwas, das Sicherheit gibt, umarmt und beschützt.

Abends mein erstes Essen vom Holzofen – wie es nur mit diesen Öfen schmeckt. Die Stube warm, der Duft von gebratener Forelle, zerlassener Butter und Kartoffeln in der Luft, eine Katze vorm Ofen, die andere am Fenster auf Beobachtungsposten. Friedlich, behaglich fühlte es sich an, angekommen und zu Hause sein. waschbecken

Am nächsten Morgen schneite es, wir blieben in der Hütte, hin und wieder Protestmiauen, eine Katze will raus, kurz schütteln und zackig wieder rein. Mich treibt zu neige gehendes Feuerholz hinter die Hütte und Schneeschippen. Ansonsten kümmerte ich mich ums Feuer, laß ein Buch, hörte Musik oder dem Feuer zu und sah aus dem Hüttenfenster die Schneeflocken ‚gen Tal rieseln. Der Tag blieb grau verhangen, und drücke kein bißchen auf die Stimmung.

Tags darauf strahlte die Sonne am frühen Morgen. Eine Pfote landet mit sanfter Gewalt in meinem Gesicht, Katzen füttern und raus lassen, schauen ob noch Glut im Ofen ist, Brennholz und Wasser von draußen holen. Morgentoilette bei Schnee und Sonnenschein, im Freien, am Brunner. Ein ganz anderes Leben als in der Stadt.

Die Welt ist in Ordnung

Danach Kaffee und sehen wonach mir ist. Durch den Tiefschnee stapfen, den Weg zum Häuserl schippen, er wurde über Nacht wieder zugeschneit und Spurensuche. Wir hatten Besuch vom Fuchs, er war gut unterwegs rund um die Hütte, muß am Essen gelegen haben, das im offenen Dachstuhl deponiert war. Noch mal kräftig nachschüren, bevor ich losziehen konnte, die Umgebung erkunden, erste Fotos machen. Die Katzen blieben in der Hütte. Ein Adler zog seine Kreise über mir und ich tanzte wie ein Indianer um die Hütte.

Was ein Tagesstart. Außer mir ist weit und breit kein Mensch, Stille – unterbrochen vom knirschen des Schnees unter meinen Stiefeln oder dem, der von den Tannen nach unten rauscht. Der Nachmittag verging im beobachten, wie Wolken, Wind und Licht, die Konturen der Berge verändern und mich ums Feuer kümmern. Die Katzen behielt ich im Blick, den Adler im Gedächtnis.

Am dritten Tag ging uns der Strom aus. Abends kein elektrisches Licht mehr, dafür Kerzen und Ofenfeuer. Mein Handy verabschiedete sich.  Seltsamerweise störte es mich kein bisschen. Am Abend, ich hörte aufs knistern des Feuers, als es draußen einen Knall tat, der mich senkrecht vom Sofa hochfahren ließ. Mit der gußeisener Bratpfanne in der Hand, bereit zuzuschlagen, rieß ich die Tür auf und sah gerade noch, wie mein nächtlicher Besucher sich auf allen vieren, mit der Mortadella vom Tisch draußen davon machte. Der Adler kam die Tage darauf wieder, die Katzen wurden in Sicherheit gebracht, und ich folgte ihm mit Blicken, bis er hinter den Bergketten am Horizont verschwand.

Der frühe Morgen

Den Rest der Woche kam ich gut ohne Strom aus. Kümmerte mich um das Feuer, es teilte meinen Tag ein. Ich roch es, sah zu wie es runter brannte, hörte es knistern und knacken, stöberte in der Glut, heizte nach, regelte die Luftzufuhr, es bestimmte meinen Tagesablauf.

Als diese Woche zu Ende ging, wäre ich gerne länger gelieben. Der Kulturschock traf mich schon in der ersten kleinen Ortschaft – plötzlich wieder mitten im  Leben… Lärm, Tempo, Menschen, eine andere Welt. Ich fühlte mich, als würde ich von ganz weit weg zurück gekommen.

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